Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit
Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit
In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf an mehreren Nährstoffen. Trotzdem brauchst du nicht automatisch ein umfangreiches Kombipräparat. Eine ausgewogene Ernährung bleibt die Grundlage; ergänzt wird nur, was allgemein empfohlen ist oder was sich aus deiner Ernährungsweise, deinem persönlichen Risiko oder einem Laborbefund ergibt. Die wichtigsten Ausnahmen sind Folsäure vor und zu Beginn der Schwangerschaft, Jod in Schwangerschaft und Stillzeit sowie eine gesicherte DHA-Zufuhr. Nach der Geburt erhält dein Baby zusätzlich eine eigene Prophylaxe mit Vitamin K, Vitamin D und Fluorid. [1-5]
Schwangerschaft: Diese Ergänzungen sind meist sinnvoll
Folsäure möglichst schon vor der Schwangerschaft
Wenn du schwanger werden möchtest oder schwanger werden könntest, solltest du täglich 400 µg Folsäure beziehungsweise eine äquivalente Menge anderer Folate einnehmen. Beginne idealerweise mindestens vier Wochen vor der Empfängnis und führe die Einnahme bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fort. Hast du später begonnen, also weniger als vier Wochen vor der Empfängnis, werden bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche täglich 800 µg empfohlen. Folsäure senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte. Höhere Dosierungen gehören ausschließlich in ärztliche Hand, wenn ein besonderes Risiko vorliegt. [1,2,6]
Jod während der gesamten Schwangerschaft
Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz und jodreichen Lebensmitteln werden während der gesamten Schwangerschaft täglich 100 bis 150 µg Jod als Supplement empfohlen. Der aktuelle Gesamtzufuhr-Referenzwert beträgt 220 µg pro Tag. Wenn du eine Schilddrüsenerkrankung hast, solltest du die Einnahme vorher ärztlich abstimmen. Kombiniere nicht mehrere jodhaltige Präparate und sei bei Algen- oder Seetangprodukten vorsichtig: Ihr Jodgehalt kann sehr hoch und stark schwankend sein. [1-3]
DHA: über Fisch oder ein passendes Präparat
In der Schwangerschaft solltest du durchschnittlich 200 mg DHA pro Tag zuführen. Das lässt sich über fettreichen Meeresfisch ein- bis zweimal pro Woche oder alternativ über ein DHA-Präparat erreichen. Wenn du keinen Fisch isst, ist DHA aus Mikroalgenöl eine pflanzliche Alternative. Achte darauf, nicht mehrere Omega-3-Produkte zu kombinieren, und verwende keinen Lebertran beziehungsweise kein Präparat mit hoch dosiertem vorgebildetem Vitamin A. [1,2,4]
Nur nach Ernährung, Risiko oder Laborbefund
Eisen nicht vorsorglich für alle
Obwohl der Eisenbedarf in der Schwangerschaft steigt, wird in Deutschland keine routinemäßige Eiseneinnahme für alle Schwangeren empfohlen. Eisen sollte erst nach einem laborchemisch festgestellten Mangel ergänzt werden. Dosierung, Einnahmeintervall und Dauer richten sich nach den Befunden und der individuellen Verträglichkeit. Müdigkeit, Blässe oder Konzentrationsprobleme können zu einem Eisenmangel passen, beweisen ihn aber nicht. [1,2]
Vitamin D abhängig von der Eigenbildung
Eine allgemeine Pflicht-Supplementierung mit Vitamin D gibt es für Schwangere nicht. Wenn du dich bei Sonnenschein nur selten im Freien aufhältst, deine Haut weitgehend bedeckst beziehungsweise konsequent vor Sonne schützt oder eine dunkle Hautfarbe hast, ist mit einer geringen Eigenbildung zu rechnen. In diesen Situationen empfehlen die aktuellen deutschen Handlungsempfehlungen täglich 20 µg beziehungsweise 800 I.E. Vitamin D. Einen nachgewiesenen Mangel muss eine Ärztin oder ein Arzt individuell behandeln. Hoch dosierte Präparate solltest du nicht eigenständig einnehmen. [1,2]
Vitamin B12 und pflanzenbetonte Ernährung
Bei veganer Ernährung muss Vitamin B12 zuverlässig supplementiert werden; eine allgemeingültige Dosis für alle gibt es nicht. Zusätzlich sollen Folsäure, Jod und DHA gesichert und Protein, Eisen, Calcium, Zink, Selen, Vitamin D und Riboflavin gezielt bewertet werden. Eine qualifizierte Ernährungsberatung und regelmäßige medizinische Kontrollen sind besonders wichtig. Bei ovo-lakto-vegetarischer Ernährung können die meisten Nährstoffe über eine bewusste Lebensmittelauswahl gedeckt werden; DHA soll ergänzt werden, wenn kein Fisch gegessen wird, und Vitamin B12 sowie Eisen sollten je nach Versorgung geprüft werden. [1,2,4]
Calcium, Cholin, Magnesium, Zink und Selen sind wichtige Nährstoffe, aber bei gut versorgten Frauen keine pauschalen Standard-Supplemente. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt von Ernährung, Beschwerden, Erkrankungen, Medikamenten und gegebenenfalls Laborwerten ab. [1,2]
Stillzeit: Mutter und Baby haben zwei eigene Pläne
Was du als Mutter weiterführst
Während der gesamten Stillzeit werden täglich 100 µg Jod zusätzlich zu Jodsalz und jodreichen Lebensmitteln empfohlen; der aktuelle Gesamtzufuhr-Referenzwert liegt bei 230 µg pro Tag. Bei einer Schilddrüsenerkrankung ist vorherige ärztliche Rücksprache wichtig. Auch in der Stillzeit solltest du durchschnittlich mindestens 200 mg DHA pro Tag aufnehmen. Empfohlen werden zwei Fischportionen pro Woche, davon mindestens einmal fettreicher Fisch; wenn du nicht regelmäßig Fisch isst, kannst du ein passendes DHA-Präparat verwenden. Mikroalgenöl eignet sich als pflanzliche Alternative. [2-4]
Vitamin B12 führst du bei veganer Ernährung zuverlässig fort. Eisen ist nach starkem Blutverlust bei der Geburt, bei bekannter Anämie oder bei auffälligen Laborwerten zu prüfen und gezielt zu behandeln. Ein aktueller Cochrane-Review bestätigt, dass die Behandlung einer diagnostizierten postpartalen Eisenmangelanämie individuell ausgewählt werden muss. Vitamin D wird auch in der Stillzeit nach Eigenbildung, Risikoprofil oder Befund beurteilt. [2,4,7]
Was dein Baby zusätzlich erhält
Die Nahrungsergänzung des Babys ist ein eigener Versorgungsplan und nicht durch deine Präparate ersetzt. Die konkrete Gabe sollte mit der Geburtsklinik sowie der kinder- oder zahnärztlichen Praxis abgestimmt werden. [2,5]
Vitamin K: Neugeborene erhalten zur Vorbeugung gefährlicher Vitamin-K-Mangelblutungen in der Regel jeweils 2 mg bei U1, U2 und U3. In besonderen Situationen kann ärztlich eine einmalige Injektion gewählt werden.
Vitamin D: Säuglinge erhalten unabhängig davon, ob sie gestillt oder mit Säuglingsnahrung ernährt werden, täglich 400 bis 500 I.E. beziehungsweise 10 bis 12,5 µg. Die Gabe erfolgt je nach Geburtszeitpunkt in den ersten 12 bis 18 Monaten beziehungsweise bis zum zweiten erlebten Frühsommer.
Fluorid bis zum ersten Zahn: Üblicherweise erhält das Baby täglich 0,25 mg Fluorid, meist kombiniert mit Vitamin D.
Fluorid nach dem ersten Zahn bis zum 12. Monat: Möglich sind eine Kombitablette mit fluoridfreier Zahnpasta oder Vitamin D ohne Fluorid und bis zu zweimal tägliches Putzen mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid. Das Schema soll mit der kinder- oder zahnärztlichen Praxis abgestimmt werden.
Besonderheit bei Flaschennahrung: Wird dein Baby überwiegend mit Säuglingsnahrung ernährt und enthält das verwendete Wasser mehr als 0,3 mg Fluorid pro Liter, soll auf zusätzliches Fluorid verzichtet und Vitamin D ohne Fluorid gewählt werden.
Wann du dich frühzeitig beraten lassen solltest
Eine individuelle Beratung ist besonders wichtig bei:
veganer oder stark eingeschränkter Ernährung,
Schilddrüsenerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme,
bariatrischer Operation, chronischer Darm- oder Resorptionsstörung,
Mehrlingsschwangerschaft oder anderem erhöhtem Bedarf,
starkem Blutverlust bei der Geburt, bekannter Anämie oder auffälligen Laborwerten,
gleichzeitiger Einnahme mehrerer Kombi- und Einzelpräparate.
Wenn du anhaltend stark erschöpft bist oder Blässe, Luftnot, Herzrasen, Schwindel, ausgeprägten Haarausfall, Muskelkrämpfe oder neurologische Beschwerden bemerkst, lass die Ursache medizinisch abklären. Nach dem Ende der Stillzeit solltest du Schwangerschafts- oder Stillpräparate nicht automatisch weiternehmen, sondern den weiteren Bedarf neu bewerten lassen. [2,6]
Informationshilfen zum Herunterladen
Die beiden Flyer fassen die wichtigsten Empfehlungen auf jeweils zwei DIN-A4-Seiten zusammen. Sie eignen sich zum Speichern, Ausdrucken und Mitnehmen in die Beratung.
Wichtiger Hinweis
Diese Informationen richten sich an gesunde Schwangere und Stillende und ersetzen keine individuelle medizinische, kinderärztliche, zahnärztliche, ernährungsfachliche oder hebammenfachliche Beratung. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, auffälligen Laborwerten oder Beschwerden kann eine andere Dosierung oder Vorgehensweise notwendig sein.
Aktuelle Quellen
Quellenstand: 22.08.2026. Berücksichtigt wurden ausschließlich Veröffentlichungen oder fachlich aktualisierte Informationsangebote seit dem 22.08.2024.
1. Netzwerk Gesund ins Leben: Aktualisierte Handlungsempfehlungen zu Ernährung, Bewegung und weiteren Gesundheitsaspekten vor und während der Schwangerschaft. Stand 06.07.2026. Alaze-Hagemann F et al., Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2026, DOI 10.1055/a-2827-5905. Quelle öffnen
2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): FAQ Nahrungsergänzungsmittel. Letzte Änderung 02.06.2026. Quelle öffnen
3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwert Jod, Ableitung 2025; Referenzwerte 3. Auflage 2025, Erratum Mai 2026. Quelle öffnen
4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Fragen und Antworten zur veganen Ernährung. Letzte Änderung 15.12.2025. Quelle öffnen
5. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Vitamine und Co. - Nährstoffergänzung gezielt einsetzen. Stand 30.11.2025. Quelle öffnen
6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Folsäure und Co. - Müssen Schwangere ihre Nahrung ergänzen? Mitteilung vom 18.02.2026. Quelle öffnen
7. Jensen MCH et al.: Treatment for women with postpartum iron deficiency anaemia. Cochrane Database of Systematic Reviews. Version vom 13.12.2024; CD010861. Quelle öffnen
8. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Gesunde Zähne von Anfang an. Stand 10.12.2025. Quelle öffnen